Jagdhunde

Die Gruppe der Jagdhunde ist groß und breit gefächert. Ein paar Untergruppen möchte ich hier vorstellen, damit sich Hunde-Interessenten ein Eindruck machen können, was es bedeutet einen Jagdhund zu kaufen.

 

Vorstehhunde

Man unterscheidet in Kontinentale Vorstehhunde, die meist als Allrounder, als Vollgebrauchsjagdhunde gezüchtet und geführt werden, und den englischen bzw. irischen Spezialisten, die nur zur Vogeljagd verwendet werden.

Der Name "Vorstehen" kommt von der Vogeljagd. Bevor es Gewehre gab, mußte man bei der Vogeljagd sehr nahe an die Beute heran kommen. Dazu brauchte man Hunde, die das Gelände nach jag- und essbaren Vögeln, wie Fasane und Rebhühner, absuchten. Wenn sie einen solchen Vogel ausfindig gemacht haben, zeigen sie dies durch regungsloses Vorstehen an. Meist wird dabei ein Vorderlauf angehoben, der ganze Hund ist angespannt, die Nase zeigt in Richtung des Wildes. So wartet der Hund bis der Jäger bei ihm ist. Dann wird der Vogel hochgescheucht und erlegt.

 

Zu den Kontinentalen Vorstehhunden gehören Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Kleiner und Großer Münsterländer, Weimaraner, Magyar Viszla und viele mehr. Aus England kommen die Pointer und Setter.

 

Unter Vollgebrauchsjagdhund versteht man, daß diese Hunde auch für andere Aufgaben eingesetzt werden. Dazu gehört das Apportieren, z.B. bei der Wasserjagd auf Enten, das Bringen eines erlegten Fuchses, das Suchen und Aufstöbern von Schwarzwild (Wildschweinen), die Nachsuche auf verletztes Wild.

Was diese sehr vielseitige Verwendung mit sich bringt, sind Hunde, die auf der einen Seite mit ihrem Menschen zusammen arbeiten sollen und wollen, auf der anderen Seite selbständige Entscheidungen treffen müssen. Sie sollen mutig und selbständig agieren, "mitdenken" und sich mutig aber mit Verstand mit dem teilweise sehr wehrhaften Wild auseinander setzen.

Das ist die große Besonderheit bei den Jagdhunden: auf der einen Seite ihr Willen zur Zusammenarbeit, auf der anderen Seite ihre Selbständigkeit, ihr Jagdverstand und Jagdtrieb.

 

Bracken

Diese waren früher ausschließlich für die Suche und das Verfolgen des Wildes zuständig. Meist kleiner als die Vorstehhunde, oft auch nicht ganz so schnell wie Vorstehhunde, lag ihr Vorteil in ihrer Beständigkeit. Sie sollten das Wild nicht hetzen oder fangen, sondern dazu bringen, in Richtung der Jäger zu laufen um erlegt werden zu können. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf den Drück- und Treibjagden. Da Bracken, einmal angesetzt, die Spur nicht verlassen sollen, eignen sich viele heute zur Nachsuche von verletztem Wild. Zur Gruppe der Bracken gehören auch die Spezialisten der Nachsuche: die Schweißhunde.

Bracken arbeiten deutlich selbständiger als Vorstehhunde und sind sehr bellfreudig! Das ist für ihre jagdliche Aufgabe absolut wichtig!

Sie werden nur selten zum Apportieren z.B. bei der Wasserjagd eingesetzt.

Bracken werden auch heute vorallem für die Jagd gezüchtet und sind selten in "Privathänden" zu finden.

 

Terrier

Terrier ist die Bezeichnung für verschiedene vorwiegend kleine bis mittelgroße Hunderassen. Terrier waren ursprünglich Jagdhunde, die dazu gezüchtet wurden, Fuchs und Dachs aus ihrem unterirdischen Bau zu treiben. Dazu muß der Mut dieser Hunde viel größer sein als ihre Körpergröße! In einer dunklen Röhre, auf sich alleine gestellt, mit wenig Bewegungsmöglichkeit auf einen gleichgroßen Gegner zu treffen, der weiß, jetzt geht es um Leben oder Tod - das ist nichts für Weicheier. Und dieser Mut macht einen Terrier aus. Den legt er aber nicht ab, nur weil er nicht jagdlich eingesetzt wird!

Eine ganze Reihe von Terriern wird schon lange nicht mehr für die Jagd gezüchtet, sie sind umgänglicher geworden. Andere, wie z.B. der Deutsche Jagdterrier sind ohne jagdliche Aufgaben kaum zu halten.

 

Retriever

Die Spezialisten mit englischen Wurzeln sind (bis auf eine Ausnahme) fast ausschließlich für das Apportieren von erlegtem Wild gezüchtet worden. Während Spaniels und Vorstehhunde die Arbeit vor dem Schuß machten, war ihre Aufgabe mit den Jägern zu laufen und auf leise Anweisung das erlegte (Feder-)Wild zu den Schützen zu bringen. Sie sind unter den Jagdhunden diejenigen die am meisten mit dem Menschen / dem Jäger zusammen arbeiten wollen und am wenigsten Selbständig agieren. Sie sind meist stumm bzw. leise, oft nicht wildscharf, dafür sehr umgänglich und freundliche. Durch ihren fehlenden Laut werden sie selten für Drückjagden oder zur Nachsuche eingesetzt.

Heute zählen Golden Retriever und Labrador Retriever zu den am meisten verbreitesten Familienhunden, während sie bei der reellen Jagdausübung nur eine unter geordnete Rolle spielen.

 

Spaniel

Als Stöberhund zum Aufspüren von Geflügel und Niederwild gehört die Bellfreudigkeit zu seinen rassespezifischen Eigenschaften. Es gibt verschiedene Spaniels, von denen nur noch wenige jagdlich geführt werden. Sie werden inzwischen deutlich öfters als Ausstellungs- und Familienhunde gezüchtet.

 


Kupieren

Während bei fast allen anderen Hunden das Kupieren von Ohren und Rute verboten wurde, dürfen manche Jagdhunderassen noch kupiert werden, wenn die Hund an Jäger gehen und jagdlich eingesetzt werden. Der Hintergrund ist die Verletzungsgefahr der Rute, die meist sehr schlecht heilt, da hier viel Bewegung aber kaum Muskeln/Fleisch ist. Kupiert werden ein Teil der Vorstehhunde und die meisten Terrier.

 

Vom Jäger für Jäger

Vorallem seltene Jagdhunderassen werden oft nach dem Leitsatz "Vom Jäger für Jäger" gezüchtet und verkauft. In manchen Verbänden ist ein Verkauf an Menschen ohne Jagdschein untersagt - so will man sicher stellen, daß die Hunde auch jagdlich eingesetzt werden und das Augenmerk der Züchter auf gesunde und leistungsfähige Jagdhunden liegt und nicht auf der Schönheit und dem Geld.

Diese Rassen haben deshalb auch oft einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb, den man von Anfang an gezielt lenken muss.

 

Beschäftigung

Jagdhunde (aus jagdlicher Zucht) müssen ausgelastet, beschäftigt und erzogen bzw. ausgebildet werden. Ist dies der Fall, sind sie im Haus und der Familie ruhig und ausgeglichen. Ist dies nicht der Fall, suchen sich diese Hunde eine Aufgabe!

Jagdhunde aus jagdlicher Zucht verstehen Hundesport als Hobby (besser wie nichts machen), aber jagen als Arbeitsaufgabe die Vorrang vor allem hat!

Dafür lassen sie alles stehen und liegen.

 

Selbständigkeit

Die ganz große Mehrheit der Jagdhunde zeichnet sich durch große Triebstärke aus. Diese zeigt sich im Jagdtrieb.  Der Jagdtrieb ist stärker als der Spieltrieb, selbstbestätigend und muss in sinnvolle Bahnen gelenkt werden.

Da sich viele Hundeanfänger darunter wenig vorstellen können, nenne ich es hier einfach mal "Selbständigkeit", auch wenn es nicht 100% korrekt ist.

 

Die meisten Jagdhunde sind mitdenkende, selbständige Hunde. Sie wollen einen Sinn darin sehen bzw. verstehen, warum man/sie etwas tun sollen. Hat es mal "geschnackelt", dann setzen sie dieses auch selbständig um und übertragen das auf andere Situationen.

Die meisten Jagdhunde brauche für ihre Arbeit diesen ausgeprägten Jagdtrieb (sowie die Selbständigkeit). Diesen kann man erzieherisch in Bahnen lenken, aber er wird immer da sein!

 

Wachtrieb und Freundlichkeit

Die meisten Jagdhunderassen haben keinen Wachtrieb, sie sind keine Schutzhunde. Was nicht heißt, dass sie ihren Jäger gegen ein angreifendes Wildschwein nicht sofort unter Einsatz ihres Lebens verteidigen würden!

Viele bellen auch schon mal, wenn jemand kommt, würden diesen aber nie daran hindern zur Türe hereinzu kommen.

Für die gemeinschaftliche Jagd ist es wichtig, daß die Hund gegenüber Menschen und anderen Hunden absolut friedlich sind. Leider geht dies heutzutage etwas verloren, da die meisten Hunde als Einzelhunde und Familienmittelpunkt und nicht als Arbeitstier gehalten werden.

Es gibt ein paar Rassen, die auch auf "Mannschärfe" gezüchtet wurden. Dies wird in Hundebüchern dann gerne als "Ein-Mann-Hund" umschrieben und sollte unbedingt auch so verstanden werden!

 

Jagdtrieb

Der Jagdtrieb ist für einen Jagdhund elementar. Jagdhunde wollen jagdlich arbeiten! Jagdhunde haben einen deutlich stärkeren Jagdtrieb als andere Hunde und werden auch heute noch schwerpunktmäßig auf diesen gezüchtet!

Sich bewußt einen Jagdhund zu holen um mithilfe von Anti-Jagd-Training ihn zu etwas anderem zu verbiegen, ist dem Tier gegenüber nicht fair.

Den Jagdtrieb durch Ausbildung in die Bahnen zu lenken, daß alle Beteiligten glücklich werden, sollte das Ziel sein.

 

Jagdverstand

Dieser unterscheidet Jagdhund von anderen Hunden. Eine gute Nase haben viele andere Rassen auch. Eine Spur auf dem Boden zu verfolgen, sollten die meisten Hunde mehr oder weniger gut hin bekommen. Etwas sich schnell bewegendes zu verfolgen, ist auch heute noch bei den meisten Hunden Teil ihres Wesens.

Der Jagdverstand macht den Unterschied zu einem Jagdgebrauchshund!

Wie reagiert ein Jagdhund selbständig auf der Jagd, damit am Ende Beute gemacht wird? Die Unterscheidung zwischen gesunden und krankem Wild, der Beutetrieb, die Bereitschaft auf eine durchaus nicht unbefährliche Diskussion mit einem gefährlichen Gegner (Wildschwein, Fuchs im Bau), dabei das eigenen Können richtig und selbständig einschätzen, das sind ein paar Punkte, die den Jagdverstand ausmachen.

Den Jagdverstand kann man dem Hund nicht beibringen, man kann ihn höchstens fördern.

 

Unser Motto:   Mit dem Hund lernen, vom Hund lernen – der Weg zum harmonischen Mensch-Hund-Team.

Training

Sonntag:

9.00 – 10.00 Uhr:            

Ralley Obidience

10.00 – 11.00 Uhr:            

Junghunde  /  Basistraining

 11.00 – 12.00 Uhr             

Welpenschule

 

Der Verein

Mitglied im swhv
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